Baumanalyse
Im November 2006 tat der Stadtteil Centrum Amsterdam der Welt kund, dass die AnneFrank Kastanie so krank sei, dass sie gefällt werden müsse. Merkwürdigerweise wurde diese Schlussfolgerung auf der Grundlage eines einzigen Untersuchungsberichts gezogen, dem der Firma Pius Floris Amsterdam, die im Auftrag der Teilgemeinde die monumentalen Bäume des Stadtteils versorgt. Ersuchen von verschiedenen Seiten um eine second opinion-Untersuchung wurden resolut abgewiesen und später selbst nicht zugestanden. Eine Beurteilung des Hauptstädtischen Baumkonsulenten, die die Empfehlung beinhaltete, weitere Untersuchungen anzustellen, wurde unter den Tisch gefegt. Das alles nährte Zweifel über den wirklichen Gesundheitszustand des Baumes und über einen möglichen doppelten Boden bei dieser ganzen Inszenierung, die auf das Fällen des Baumes hingearbeitet.
Inzwischen sind auf Initiative der Arbeitsgruppe Support Anne Frank Tree eine Reihe von second-opinion- Untersuchungen durchgeführt worden, und es sieht so aus, dass der Baum auffällig viel vitaler ist, als die Untersuchung der Teilgemeinde suggeriert. Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht über second-opinion-Untersuchungen, die auf Initiative der Arbeitsgruppe Support Anne Frank Tree ausgeführt worden sind, und des weiteren auch eine Übersicht über unsere kritischen Anmerkungen zu Befremdlichem bei Methode und Schlussfolgerung in dem Untersuchungsbericht, den die Teilgemeinde hat machen lassen.
Second-opinion-Untersuchungen
Der AnneFrankBaum ist bei weitem stabiler als die Experten der Teilgemeinde behaupten. Der namhafte britische Fachmann für alte Bäume Neville Fay bestätigt die Schäden durch Schwämme, aber konstatiert gleichzeitig, dass der Baum ansonsten ziemlich vital ist für sein Alter: Fällen ist nicht notwendig. Wenn der Wille vorhanden ist, dann kann der Baum ohne weiteres erhalten bleiben, sagt er. Man muss dann einen Plan für die Zukunft machen, den Baum für alle Sicherheit verankern und den Zustand des Baumes im Auge behalten. Zitat von Fay: Dieser Baum kann uns alle überleben!
Der Untersuchungsbericht von O.B.T.A De Linde, dem Betrieb von Frits Gielissen, bestätigt diesen Eindruck. Gielissen hat den Baum einer genauen Inspektion unterworfen und eine differenziertere Methode als die der Firma Pius Floris Amsterdam angewendet. Aus seiner Untersuchung wird unumwunden deutlich, dass der Baum genügend Holzqualität besitzt und genügend vital ist, um erhalten werden zu können. Das verfrühte Fällen ist nicht nötig, war sein Resumé, und der Baum kann ohne Risiko einer Zugprobe ausgesetzt werden.
Die Zugprobe durch Boom-KCB zeigte, dass der Baum selbst Orkanstärke aufhalten, kann ohne umzufallen. Dabei ist dann noch nicht einmal berücksichtigt, dass der Baum im Innern eines Baublocks steht, und so extra beschützt ist gegen Windlast. Orkanstärke kommt inner halb des bebauten Gebiets eigentlich nie vor, es ist also realistischer mit Windstärke 10 zu rechnen. Bei dieser Windstärke hat sich die Kastanie mehr als zweimal so stark erwiesen wie die Norm verlangt. Die Stabilität des AnneFrank Baums ist so groß, dass es keinen einzigen Grund gibt, sie wegen Gefahr des Umstürzens zu fällen.
Befremdliche Konstatierungen in der Untersuchung der Teilgemeinde
Hier geht es um die Untersuchung der Firma Pius Floris Amsterdam im Auftrag der Teilgemeinde Centrum Amsterdam.
- Die Untersuchung der Teilgemeinde nennt einen verkehrten, aggressiven Schimmel. Der Schimmel auf dem Baum ist der Flache Lackporling (ganoderma lipsiense). Dieser Schimmel räumt in hohem Tempo abgestorbenes Holz auf. Die Untersuchung der Teilgemeinde nennt jedoch den Ganoderma Australe, der aggressiv ist, da er auch vitales Holz antastet, er frisst sich leicht durch die sog. Abgrenzungslage, die normalerweise die gesunden Teile des Baumes beschützt. Für beide Schimmel gilt, dass sie nicht ein Absterben des Baumes verursachen, sondern ihn schwächen. Nachfrage ergab, dass diese Diagnose auch nur durch Augenschein zustande gekommen war (!) - um so befremdlicher, wenn daraus nachdrücklich die Schlussfolgerung gezogen wird, dass der Schimmel rasant das gesunde Holz angreift und der Baum daher gefällt werden muss....
- Die Untersuchung der Teilgemeinde nennt einen Befall zuviel. Der Baum soll angeblich von Honigschwamm befallen sein. Firma O.B.T.A De Linde hat auf dem lebenden Teil des Baumes nirgends diesen Schwamm antreffen können.
- Die Untersuchung der Teilgemeinde übertreibt eine andere Schädigung. Die Niederlande wurden vor nicht langer Zeit aufgeschreckt durch die Blutungskrankheit, die ein Drittel aller Rosskastanien in den Niederlanden getroffen hat und für viele Exemplare tödlich war. Firma O.B.T.A. De Linde sieht auf der AnneFrank-Kastanie nur ein einziges Fleckchen, das möglicherweise auf Blutungskrankheit weisen könnte. Aber dieses Fleckchen ist inzwischen trocken, was heißt, dass die Krankheit durch den Baum selbst zum Stillstand gebracht worden ist. Natürlich bietet das keine Garantie für die Zukunft, aber es zeigt, dass der Baum recht vital reagiert und nicht etwa den Mut aufgegeben hat wie Pius Floris behauptet.
- Ungenaue Messtechnik. Die Picusmessungen (eine Messmethode mit Ultroschall) geben detaillierte Abbildungen, die allerdings nicht einfach in harte Schlussfolgerungen übersetzt werden dürfen. Hier einige Reaktionen auf die Picusmessungen der Firma Pius Floris Amsterdam, die besprochen wurden auf einem Internetz Expertenforum: An manchen stellen sieht man mit einem Mal gesundes Holz, wo auf der vorhergehenden Abbildung verrottetes Holz war -??. Und: Wenn man die Abbildungen in dem Bericht genau ansieht, dann sieht es so aus, als sei an einigen Stellen gesundes Kernholz hinzugekommen. Das ist natürlich unmöglich, denn wenn Kernholz einmal tot ist, kann es sich nicht mehr regenerieren. Es gibt noch mehr Ungereimtheiten, so die Vorgehensweise, dass als gesundes Holz nur das mitgerechnet, das in der eingegrenzten gemessenen Oberfläche liegt, während gerade auch außerhalb der Messoberfläche viel gesundes Holz liegt. Das ist aber nicht im Prozentsatz gesunden Holzes mitgerechnet.(s. O.B.T.A. S. 11). Auf diese Weise kommen dann erschreckende Prozentsätze gesunden Holzes heraus. Gerade in der äußersten Wand seines Stamms reagiert ein Baum auf Veränderungen und wächst an, denn da befindet sich das cambium, durch das der Zuwachs an lebendem Holz stattfindet - und das tut auch diese Kastanie: das Anwachsen von Holz in diesem Bereich ist deutlich zu sehen.
- Die Untersuchung der Teilgemeinde zieht krasse Schlussfolgerungen. Wenn man die Resultate der Picusmessungen als exakte Fakten ansieht, die Normen streng hantiert und zu wenig die spezifischen Umstände des Baumes mitrechnet, dann können die Ergebnisse der Messungen sehr wissenschaftlich ausschauen, aber die Schlussfolgerungen daraus sind wenig verlässlich. Auf dem Expertenforum war die Meinung: Es ist unmöglich, eine Picusmessung so genau auszuführen, dass ein Unterschied von 3% im Vergleich mit einem halben Jahr zuvor sichtbar sein kann. Mit solchen angeblich gemessenen Prozentsätzen aber wird von der Teilgemeinde das Fortschreiten des Verfalls begründet. Die Untersuchungen, die im Auftrag der Baumstiftung verrichtet worden sind, und die Analyse der durch die Gemeinde vorgelegten Messergebnisse durch andere Experten weisen aber auf das Gegenteil: der Baum wehrt sich erfolgreich gegen seine Erkrankung und ist in der vergangenen Saison vitaler gewesen als im Jahr zuvor.
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